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Der psychologische Unterschied zwischen Vermeidung und bewusster Distanz.

Person in braunem Pullover mit Smartphone, Notizbuch und Kaffeetasse am Küchentisch. Sanduhr und Rosmarin im Vordergrund.

Des leise Grenzerl zwischen Davonlaufen und Zurücktreten

Des Café war fast leer, so wia’s am späten Nachmittag oft is, wenn d’Espressomaschin lauter klingt als d’Stimmen von de Leit. Am Tisch beim Fenster hat a Frau ständig aufs Handy g’schaut und’s dann wieder mit’m Display nach unten g’legt, als hätt’s ihr d’Finger verbrannt. Der Name von ihrer Freundin hat dreimal am Bildschirm aufg’leuchtet. Sie hat ka einziges Mal abghoben. „I brauch einfach Abstand“, hat’s g’murmelt – mehr zu sich selber als zu irgendwem. Aber wenn ma ihr zug’schaut hat, hat’s ned wie Abstand ausg’schaut. Eher wie Flucht.

Heut red ma viel übers „Distanz schaffen“, vor allem in da Therapie und auf Social Media. Aber ned jede Distanz is gleich. A bissl davon heilt di. A anderes frisst di still und leise von innen auf. Des Tricky dran: Von außen schaut beides oft ident aus. Gleiche Stille. Gleiche ung’lesene Nachrichten. Gleicher leerer Sessel beim Abendessen.

Innen drin is d’G’schicht aber komplett anders.

Die leise Linie zwischen Ausweichen und bewusster Distanz

Es gibt so a feine psychologische Linie zwischen Vermeidung und bewusster Distanz, über die ma oft drübergeht, ohne dass ma’s merkt. Auf da einen Seit schützt du deine Energie, setzt Prioritäten und kannst freier atmen. Auf da anderen Seit weichst du Unangenehmem aus, schiebst Konflikte auf und lasst die Angst Auto fahren. Von weitem schaut beides aus wie „I nehm ma halt Raum“, aber des Motiv darunter ändert alles.

Vermeidung fühlt si meistens eng an – sogar dann, wennst allein bist. Deine Gedanken kreisen dauernd um des, wasd grad ned anschaust. Bewusste Distanz hat a andere Note. Da is zwar a Spannung, aber a ruhige, kleine Stimme, die sagt: I derf des anders machen. In dem inneren Unterschied steckt die eigentliche G’schicht.

Denk an’s letzte Mal, wo du a Nachricht von wem tagelang ignoriert hast. Vielleicht war’s a Kollege, der Feedback wollt. Vielleicht a Partnerin oder a Partner mit „Können ma heut Abend reden?“. Am Bildschirm is es nur a Textblase. In deinem Körper aber geht da Puls rauf, d'Schultern gehen hoch, da Kiefer spannt si. Du redst da ein: zu beschäftigt, zu müd, ned im richtigen Kopf. Drei Tag später liegt die Nachricht no immer da – schwerer als vorher.

Vergleich des mit am Moment, wo du wirklich g’sagt hast: „I brauch zwei Tag, bevor i g’scheit drauf antwort.“ Du hast ned sofort reagiert, aber du hast’s benannt. Du hast an Zeitrahmen g’geben. Vielleicht a bissl Schuldg’fühl, aber gleichzeitig irgendwie geerdet. Der andere Mensch hat’s vielleicht ned super g’funden, aber d’Luft zwischen eich is atembar blieben. Gleiche Stille. Andere Psychologie.

Psychologisch wird Vermeidung von Bedrohung g’trieben. Dei Hirn markiert a Person, a Thema oder a G’fühl als „gefährlich“, und dei System rutscht in den Fluchtmodus. Ziel: kurzfristige Erleichterung – Hauptsach, i spür des jetzt ned. Also verschiebst du’s Gespräch, lässt an Anruf aus, bleibst länger im Büro, scrollst, bis da d’Augen brennen. Es wirkt – für a paar Stunden. Dann kummt die Unruhe wieder, a bissl größer als zuvor.

Bewusste Distanz start von woanders. Du spürst zwar Druck, aber du rennst ned blind davon. Du triffst a Entscheidung: I tret an Schritt z’ruck, damit i klarer seh. Du kommunizierst Grenzen, statt dass’d verschwindst. Du gibst Struktur: wie lang, auf welche Art, wofür. Vermeidung macht dei Welt kleiner. Bewusste Distanz dehnt’s aus – auch wenn’s am Anfang g’legen kommt.

Wie ma vom Ausweichen zur bewussten Distanz kummt

A praktische Art, den Unterschied zu spüren, is a winzige Check-in-Frag: „Wos versuch i grad zu schützen?“ Wenn d’ehrliche Antwort is mein Komfort, mein Image, meine Angst vor Konflikt, dann bist wahrscheinlich in da Vermeidung. Wenn’s is meine psychische Gesundheit, meine Sicherheit, meine Zeit zum Nachdenken, dann bist näher an bewusster Distanz. Die eine Frage löst ned alles, aber sie nimmt den Nebel.

Dann kummt da kleine, konkrete Schritt: Nenn deinen Abstand. A einziger Satz kann dich vom Verstecken ins Wählen bringen. „I hab deine Nachricht g’sehn, i antwort morgen.“ „I bin heut Abend ned bereit, des zu besprechen – können ma’s für Samstag einplanen?“ Es klingt fast zu einfach. Genau des is der Punkt. Du nimmst da Platz, aber mit Licht aufgedreht.

A häufige Falle: „I brauch Abstand“ wird zum vagen schwarzen Loch, des Beziehungen schluckt. Ma zieht si z’ruck, sagt nix, wartet, dass sich die Spannung von allein auflöst. Tut’s fast nie. Leit füllen Stille mit ihre schlimmsten Befürchtungen. Sie glauben, sie hätten was falsch g’macht. Oder sie werden wütend und ziehen si erst recht z’ruck.

A ehrlichere Version von Distanz klingt eher so: „Du bist ma wichtig, und i bin grad überfordert. I werd diese Woche leiser sein – ned wegen dir, sondern weil i grad mit ein paar Sachen ring.“ Is des angenehm zum Sagen? Eher ned. Verhindert’s a Haufen emotionalen Schaden? Ja. Menschlich g’sehn is so a Klarheit a Akt von Respekt – für di und für die anderen.

„Vermeidung sagt: ‚Wenn i des ignorier, verschwind’s vielleicht.‘
Bewusste Distanz sagt: ‚Wenn i klug z’rucktret, kann i stärker z’rückkumman.‘“

  • Frag di, bevor’d di z’ruckziehst: „Lauf i grad davon, oder entscheid i mi bewusst?“
  • Kommunizier zumindest ein konkretes Detail: Zeitrahmen, Grund oder wos’d no fühlst.
  • Achte auf deinen Körper: enge Brust und rasende Gedanken sind oft Vermeidung, ned Frieden.
  • Schreib die Nachricht, vor der’d Angst hast – und schick dann a kürzere, freundlichere Version.
  • Merks da: Distanz, die Ruhe und Klarheit bringt, is was anderes als Distanz, die Grauen züchtet.

Mit Abstand leben, ohne Verbindung zu verlieren

Wir kennen’s alle: Du sitzt am Bettrand, Handy in da Hand, und probierst a Nachricht im Kopf durch, die’d dann doch ned abschickst. Da wird’s menschlich und ned theoretisch. Vermeidung und bewusste Distanz san ka fixen Etiketten; es san Schiebetüren, durch die ma hundert Mal im Jahr durchgeht. An manchen Tagen nimmst die Tür zur Flucht, einfach weil’d müd bist. An anderen Tagen überraschst di mit am sauberen, mutigen „I brauch a Pause.“

Die Arbeit is ned, perfekt zu sein. Sondern früher zu merken, zu welcher Tür’d greifst – und dann die zu wählen, nach der’d stolz bist, wie’d mit deine Beziehungen umgangen bist, auch mit die chaotischen.

Im echten Leben schaut Abstand selten so aus, wie’s Social-Media-Selfcare-Sprüche versprechen. Du zündst ned immer a Kerzerl an, journalst und bastelst die perfekte Boundary-Nachricht. Oft machst einfach den Chat zu, starrst an die Decke und fühlst di schuldig. Hand aufs Herz: Des macht wirklich keiner jeden Tag.

Was auf Dauer was ändert, san die kleinen, wiederholbaren Schritte: die bissl klarere Nachricht. Die fünf Minuten Pause vorm Reagieren. Die Entscheidung, doch bei dem schwierigen Gespräch aufzutauchen, dem’d letzten Monat ausgewichen bist. Jede von den Sachen macht aus emotionaler Vermeidung a bewusstere Art, in Beziehung zu sein – mit anderen und mit dir selber.

Vielleicht probierst beim nächsten Mal, wenn’d am liebsten verschwinden würdest, die „Verschwinderei“ zu verkleinern. Ned komplett ghosten, sondern a sanfteres Abtauchen mit Worten dran. „I werd heut Abend stiller, i bin leer – aber i meld mi morgen.“ So a Satz kann sich grad so verletzlich anfühlen, dass er sticht. Gleichzeitig is er a Brücke, die’d bewusst ned abbrennst.

Mit der Zeit wird der Unterschied zwischen Vermeidung und bewusster Distanz weniger a Theorie und mehr a Frage, wie si dei Leben anfühlt. Lassen deine Stillen Narben z’ruck oder Raum? Schaffen deine Pausen Luft zum Atmen oder mehr, was’d bereust? Die Antworten san ned für a Lehrbuch. Die san für di, deine Leit und für die Art, wie’d mit ihnen leben willst.

Kernpunkt Detail Nutzen für Leser:innen
Inneres Motiv Unangenehmem ausweichen vs. psychische Gesundheit schützen Hilft zum Erkennen, ob ma flüchtet oder bewusst wählt
Kommunikation vager Stillstand vs. benannter und eingerahmter Abstand Reduziert Missverständnisse und Beziehungs-Spannungen
Langzeitwirkung Angst wird größer vs. Klarheit und gegenseitiger Respekt Ermöglicht stabilere, gesündere Bindungen

FAQ

  • Woher weiß i, ob i vermeid oder nur meinen Frieden schütz? Wenn deine Stille kurzfristig erleichtert, aber langfristig mehr Angst macht, is es wahrscheinlich Vermeidung. Wenn die Distanz zwar komisch is, aber nach und nach ruhiger und klarer wird, geht’s eher in Richtung bewusst.
  • Is es falsch, Menschen zu meiden, die mich triggern? Nein. Hilfreich is nur, ehrlich zu dir zu sein: Bleibst sicher oder bleibst stecken? Manchmal braucht Sicherheit Abstand – am besten begleitet von Unterstützung oder Therapie.
  • Muss i immer erklären, warum i Abstand brauch? Ned immer im Detail. Aber a einfacher Satz wie „I bin grad überfordert, des hat nix mit dir z’ tun“ kann die Beziehung schützen und deine eigene Integrität.
  • Und wenn die andere Person auf meine Grenzen schlecht reagiert?

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