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Durch das jahrzehntelange Graben von Tunneln im Fels hat die Schweiz ein riesiges unterirdisches Netz geschaffen, das größer ist als viele Städte über der Erde.

Person im Tunnel mit Bauplan und Helm, beleuchtet von Stirnlampe, neben Bahngleisen und Notfallschildern.

Auf an nebligen Morgn in Uri treibt a Bauer seine Küah über a ruhige Bergstraßn. D’Glockn klingeln, d’Luft riecht nach nasser Erd, und d’Felswand über eam wirkt völlig unbeweglich. Massiv. Ewig.

Wos er ned sehgn kann: Nur a paar Dutzend Meter unter seine Stiefel donnert a Güterzug durch an 57 Kilometer langen Tunnel. No weiter unten schlürfen Techniker in an Leitstand, der wia a Raumschiff-Cockpit ausschaut, an Kaffee und verfolgen unsichtbare Ströme von Menschen und Waren unter de Alpn.

D’Schweiz hot fast drei Jahrzehnte lang gebohrt, gesprengt und ihre Berge von innen ausgehöhlt.

Des Ergebnis wirkt fast unwirklich.

D’versteckte „zweite Schweiz“ unter de Alpn

Stell di auf an Schweizer Bahnhofsperron, und du würdest nie erraten, wos unter deine Füaß liegt. A g’schmeidiger Zug fährt ein, d’Türen zischen, Pendler scrollen am Handy. A ganz normaler ruhiger Morgn. Und trotzdem liegt unter Schnee, Weiden und Postkarten-Dörfern a riesige Unterwelt, die leise 24/7 vor sich hin summt.

Ingenieure nennen’s Infrastruktur. Einheimische sogn manchmal „d’Untergrund-Schweiz“. Es is a Labyrinth aus Bahntunneln, Fluchtstollen, Lüftungskavernen und Servicewegen. Manche von den Räumen san so groß wia Kathedralen. Zusammeng’rechnet is des mehr als manche mittelgroße Stadt, die oben gemütlich in da Sunn liegt.

Da Wendepunkt war in de 1990er, wie d’Schweiz für des Projekt abgestimmt hot, des später als „Neue Eisenbahn-Alpentransversale“ (NEAT/NRLA) bekannt worn is. Des Ziel war am Papier simpel: Schwerverkehr von dreckigen Lkw auf schnellere, sauberere Züge verlagern. In da Realität war’s a Wahnsinn. Allein für an Gotthard-Basistunnel ham d’Teams 17 Jahre lang in Fels hineing’fressn und 152 Kilometer an Tunneln und Zugangsstrecken ausg’bohrt.

Rechn’ dann no den Lötschberg- und den Ceneri-Basistunnel dazua, plus ältere Autobahntunnel, Stauseen, Militäranlagen und Kabelsysteme – und die Zahlen wirken plötzlich absurd. Im Grunde schaust auf a mehrstöckige, voll ausg’stattete Stadt, nur halt horizontal unter ganzen Gebirgsketten ausg’streckt.

Des war ned nur a technische Herausforderung, sondern a politische und kulturelle Entscheidung. Schweizer Wähler ham wiederholt Steuererhöhungen und Lkw-Abgaben akzeptiert, um den unterirdischen Umbau zu finanzieren – damit d’Täler vor Lärm und Smog g’schützt bleibn.

Indem Züge direkt durch d’Basis der Alpn fahrn statt über die Pässe, san Reisezeiten g’falln, Güterflüsse san ruhiger wordn, und die Landschaft oben is fast unberührt bliebtn. D’Schweiz hot unsichtbare „Highways“ und Bahnstrecken im Fels baut, damit an der Oberfläche s’Leben langsam, sauber und ruhig bleibn kann.

Wie ma tatsächlich a stadtgroße Welt in Fels baut

Am Papier is a Tunnel a grad gezeichnete Linie auf ana Kartn. Vor Ort is es Schlamm, ohrenbetäubender Lärm und monatelanges Bohren Millimeter für Millimeter. Zuerst werden Zugangsschächte oder horizontale Stollen aufg’macht, manchmal gleichzeitig von beiden Seiten vom Berg. Riesige Tunnelbohrmaschinen fressen si durch’s Gestein, während Teams in härteren Zonen Sprenglöcher bohren.

Jede Sprengung is genau getaktet, jede Erschütterung wird g’messen. Geologen lesen den Berg wie Ärzte a Röntgenbild. Z’vü Wasser, z’weiches Gestein – und die ganze Arbeit wird langsam. Des is ned nur Baustelle. Des is a langes, angespanntes Gespräch mit am Stein.

Beim Bau vom Gotthard-Basistunnel ham mehr als 2.600 Leit aus rund 15 Ländern im Schichtbetrieb g’arbeitet – Tag und Nacht. Manche san jahrelang unter Tage gwesn und ham Tageslicht nur am Wochenende g’sehn. Sie ham ned nur die zwei Hauptröhren für d’Züge ausg’höhlt, sondern a Dutzende Seitnstollen, Kavernen für riesige Transformatoren, Notunterkünfte, Servicegleise und Querverbindungen alle 325 Meter.

Wennst in so an Hallen reingehst, haut di d’Dimension. Betongewölbe, Neonröhren bis zum Fluchtpunkt, Lüftung, die wia fernes Donnern rauscht. Du bist technisch „im Tunnel“, aber es fühlt si an, als würdest in an industriellen Grätzl stehn – mit eigenem Klima, eigenen Gerüchen und Geräuschen.

Warum so vü Volumen bauen, wenn ma eigentlich nur a Röhre für Züge braucht? Wegen Sicherheit und Instandhaltung. Lange Alpentunnel brauchen Fluchtwege, Luftkanäle, Entwässerung, Kabeltrassen, Technikräume und Zufahrtswege. Jede zusätzliche Funktion braucht Platz, der sich wia Adern vom Hauptstrang verzweigt. Über 30 Jahre ham sich diese Nebenräume Schicht um Schicht ang’sammelt.

Des Ergebnis is a dreidimensionales Netz: schnelle Personenröhren, langsamere Servicetunnel, stille Fluchtstollen. A verstecktes Gitter aus Beton und Stahl, das Hochgeschwindigkeitszüge nahtlos gleiten lässt, während Tourist:innen oben Selfies bei türkisfarbenen Seen machen – und ka Ahnung ham, welche Maschinerie unter ihren Picknickdecken liegt.

Wos diese Unterwelt fürs Alltagsleben verändert

Wennst die Größenordnung von der versteckten Infrastruktur wirklich spüren willst, fang an wie jeder Reisende: Kauf da a simples Ticket Zürich–Mailand. Setz di ans Fenster, schau zu, wie d’Vororte dünner werden, und merk, dass irgendwos komisch is. D’Alpn türmen si auf … und dann san’s fast weg. A langer, sauberer Tunnel, ka schwindlige Serpentinen, ka endlose Kehren. Neunzig Minuten später bist im italienischen Licht, und dein Kaffee is no warm.

Des is die neue Normalität, die diese 30 Jahre Bohren g’schaffen ham: schnelle, flache, planbare Routen unter Bergen, die Europa früher in jedem Winter monatelang quasi z’teilt ham.

Wir kennen’s alle: der Moment, wenn auf ana Autobahn vor am Tunneleingang plötzlich alles steht und die Spannung im Auto leise steigt. In der Schweiz werden Fern-Lkw immer mehr von der Straße auf die Schiene „g’schubst“ – sie rutschen durch Basistunnel, während Familien auf freieren Autobahnen fahrn oder im Sommer die Panorama-Passstraßen nehmen. Perfekt is es ned, ja, Staus gibt’s trotzdem. Aber das Untergrundnetz nimmt an riesigen Teil von der schweren Arbeit auf.

Seien ma ehrlich: Kaum wer liest das kleine Schild „Sie betreten den Gotthard-Basistunnel“. D’Leit freuen si einfach, dass’s früher ankommen, sauberere Luft atmen und ned sechs Stunden lang Dieselabgase anstarren.

Hinter dem Komfort steckt a anspruchsvolles System. Tunnel brauchen dauernd Inspektionen, Entwässerung, Brandschutz und Lüftungschecks. Da werden die weniger glamourösen Stollen und Technikräume wichtig. Sie lassen Teams in der Nacht rein, Kabel reparieren, Alarme testen und Züge mit über 200 km/h fahren lassen, während der Rest vom Land schlaft.

„Die Leit sehen an glatten, modernen Zugbetrieb“, hot mir einmal a Schweizer Ingenieur g’sagt. „Wos’s ned sehen, is die kleine Armee unter Tage, jede Woche, die dafür sorgt, dass uns der Berg nie überrascht.“

  • Querverbindungen alle paar hundert Meter – Damit Passagiere im Ernstfall schnell aus einer Röhre in die sichere Parallelröhre evakuieren können.
  • Massive Lüftungskavernen – Die drücken im Brandfall Rauch weg und halten d’Luft atembar, sogar 2.000 Meter unterm Fels.
  • Eigene Servicetunnel – Abkürzungen für Wartungsfahrzeuge und Rettungsteams, damit Hilfe ned vom selben Eingang kommen muss wie Züge oder Autos.
  • Fels-Monitoring-Systeme – Sensoren, die Druck, Bewegung und Temperatur in den Bergwänden permanent überwachen.
  • Notnischen mit Telefon, Feuerlöscher und Licht – Klein, oft übersehen, aber entscheidend in den seltenen Minuten, wo plötzlich alles zählt.

A Land, des lieber gräbt statt z’zersiedeln

In der Schweizer Entscheidung steckt fast wos Philosophisches. Statt immer weiter Oberflächenstraßen zu verbreitern, durch Dörfer zu schneiden und Täler z’zubetonieren, hot ma si entschieden, nach unten zu gehen. Wortwörtlich. Man hot zig Milliarden in a Unterwelt investiert, die die meisten Menschen nie wirklich sehen werden.

Oben wirkt des wie Zurückhaltung: weniger sichtbare Narben, ruhigere Landschaften, Pässe, die teilweise wild bleiben können. Unten is es radikal: a menscheng’machte Geografie aus Tunneln und Kavernen, mit GPS-genauer Präzision z’sammeng’näht und betrieben wia a riesige, vergrabene Maschine.

Des heißt ned, dass das Modell perfekt is oder leicht kopierbar. Es braucht politisches Vertrauen, stabile Finanzierung und a Kultur, die langfristige Planung über schnelle Erfolge stellt. Andere Länder ham vielleicht dramatischere Bedürfnisse oder weniger planbare Budgets. Trotzdem stellt das Schweizer Experiment a nützliche Frage: Wenn unser Platz an der Oberfläche enger und empfindlicher wird – warum ned mehr von dem, wos ma brauchen, unterirdisch bauen?

Ned nur Tunnel, sondern Rechenzentren, Logistikdrehscheiben, vielleicht sogar Energiespeicher. Ruhige Nachbarn, die die Skyline unberührt lassen.

Wennst das nächste Mal durch Reisefotos von Luzern, Zermatt oder Lugano scrollst, probier an einfachen Trick im Kopf. Stell da unter jedem Bild a schwach leuchtende Kartn vor: Linien, Knoten, Kammern, Notfallschächte. A stille Doppelung vom Land, die knapp unter den Wurzeln der Föhren pulsiert.

Des is die eigenartige Schönheit an der G’schicht. D’Schweiz hot über fast dreißig Jahre geduldiger, sturer Arbeit a zweite, unsichtbare Nation in ihre eigenen Berge g’schnitzt. Du kannst a ganzes Leben lang die Landschaft oben genießen … und trotzdem nie ahnen, wie viele Leben, Ideen und Maschinen sich im Dunkeln direkt unter dir bewegen.

Kernaussage Detail Nutzen für Leser:innen
Größenordnung der Tunnel Hunderte Kilometer Bahn- und Servicetunnel unter den Alpn Gibt Kontext, wie stark unterirdisches Bauen verändern kann
Langfristige Strategie Jahrzehnte an Investitionen, um Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern Zeigt, was nachhaltige Planung für Umwelt und Mobilität bringt
Unsichtbarer Komfort Sicherheitsstollen, Lüftung, Wartungszugänge Hilft, die versteckten Systeme hinter reibungslosem Reisen zu schätzen

FAQ:

  • Frage 1: Is d’Schweiz unterirdisch wirklich „größer“ als oberirdisch?
    Ned in der Fläche, natürlich. Aber das z’sammeng’rechnete Volumen von großen Tunneln, Kavernen und Stollen ergibt a Untergrundsystem, des größer is als viele Städte – mit eigenen Wegen, Hallen und Technikräumen.
  • Frage 2: Wie tief san diese Alpentunnel?
    Manche Abschnitte, z. B. Teile vom Gotthard-Basistunnel, verlaufen mehr als 2.000 Meter unter den Gipfeln und zählen damit zu den tiefsten Verkehrstunneln der Welt.
  • Frage 3: San diese Tunnel für Reisende sicher?
    Ja. Sie san mit strengen Brandschutzstandards, mehreren Fluchtwegen, robuster Lüftung und ständiger Überwachung durch Spezialteams ausg’legt.
  • Frage 4: Warum hot d’Schweiz so vü in unterirdische Bahn statt in Straßen investiert?
    Um Alpentäler vor Lkw-Verkehr zu schützen, Emissionen zu senken und den Transit durch a sensible Gebirgsregion effizient zu halten.
  • Frage 5: Können andere Länder des Modell kopieren?
    Teilweise ja. Geografie und Politik san unterschiedlich, aber die Idee, unterirdischen Raum zu nutzen, um den Druck an der Oberfläche zu verringern, inspiriert weltweit bereits Projekte.

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