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Musk redet seit Jahren von 80-Stunden-Wochen. Bei Tesla arbeitet er aber nicht mal 40 Stunden.

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch mit Laptop, Notizbuch und Pflanzen. Er liest ein Notizblatt und wirkt konzentriert.

Late at night in Austin schaut die Tesla-Fabrik aus wie a grell beleuchtetes Raumschiff, des am Rand von der Autobahn parkt. Drinnen surren Roboter, Bildschirme leuchten, und a paar völlig übermüdete Ingenieur:innen in Hoodies starren in Code und Dashboards. Irgendwo auf X postet Elon Musk wieder über „ultra hardcore“ Arbeitskultur, über 80–100-Stunden-Wochen, darüber, dass Größe Opfer verlangt.

Von außen klingt des fast heldenhaft.

Und dann schaust in seinen Kalender.

Der Mythos vom 80-Stunden-Schinden

Seit Jahren verkauft Musk a ganz bestimmte Fantasie: Wennst „die Welt verändern“ willst, dann solltst bereit sein, doppelt so viel zu hackeln wie alle anderen. Er hat getweetet, dass er am Fabriksboden schläft, hat jungen Leuten gesagt, sie sollen „jede wache Stunde“ arbeiten, und hat anklingen lassen, dass 40-Stunden-Wochen was für Unambitionierte sind.

Da steckt a machohaftes Startup-Bro-Gefühl drin, des sich super auf LinkedIn-Folien und Hustle-Porn-Instagram-Accounts verbreitet. Und es trifft besonders Junior-Engineer:innen und junge Gründer:innen, die sich dann leise fragen, ob’s einfach ned für „Größe“ gebaut sind, weil’s gern mit Freund:innen zu Abend essen.

Die Realität is deutlich weniger filmreif. Laut einem Bericht vom Wall Street Journal aus 2024, der auf internen Kalendern und Aussagen von Senior-Leuten basiert, verbringt Musk weniger als die Hälfte einer normalen Arbeitswoche physisch oder direkt mit Tesla-Arbeit. Ungefähr 15 bis 20 Stunden pro Woche, oft zerschnitten in kurze Besuche, Calls und Reviews.

Der Rest von seiner Zeit verteilt sich auf SpaceX, X, Neuralink, das neue KI-Venture xAI, und a permanente Karussellfahrt aus Medien, Politik und Personal Branding. Zu einem Zeitpunkt hat a Tesla-Manager angeblich gescherzt, sie hätten gelernt, „Elon wie a Wettersystem zu behandeln: kontrollieren kannst es ned, du bereitest dich nur auf den Sturm vor, wenn er daherkommt“.

Diese Lücke zwischen der predigenden 80-Stunden-Rhetorik und der zerstückelten Realität is ned nur a bissl heuchlerisch. Sie schafft an Doppelstandard. Musk lebt wie a Portfolio-CEO, der von Feuer zu Feuer springt, während unzählige Mitarbeiter:innen in einer einzigen Firma Druck spüren, ihre Loyalität zu „beweisen“, indem’s ihre Tage bis zum Anschlag strecken.

Des is der leise Trick vom Hustle-Mythos: Die Person ganz oben kriegt Hebelwirkung, Freiheit und Optionen. Die Leute unten kriegen die Schinderei. Und die Geschichte, dass sie einfach ned hart genug versuchen, wenn’s müd sind.

Wie Musks „Hardcore“-Kultur in echt abläuft

Wennst Tesla oder X in den letzten Jahren verfolgt hast, kennst das Muster. Musk verkündet irgendeinen brutalen neuen Standard - „extremely hardcore“, „lange Stunden bei hoher Intensität“, „niemand kann bleiben, der das ned macht“ - und geht dann am nächsten Morgen in a anderes Gebäude, um sich auf die Krise von einer anderen Firma zu stürzen.

Bei Tesla bleiben Manager:innen dann damit zurück, seinen öffentlichen Mut-Pathos in echte Dienstpläne und Erwartungen zu übersetzen. Manche wehren sich still. Manche setzen’s bis zum letzten Punkt durch. Andere spielen’s auf Slack vor und lassen ihre Teams heimlich durchatmen, weil’s wissen: Burnout liefert keine verlässlichen Autos aus.

Ein besonders auffälliges Beispiel war direkt nachdem Musk 2022 Twitter (jetzt X) gekauft hat. Mitarbeiter:innen bekamen a Mail spät in der Nacht, in der verlangt wurde, dass sie sich zu „extremely hardcore“ und „langen Stunden bei hoher Intensität“ bekennen. Viele haben im Büro geschlafen, um überraschende Deadlines zu überleben. Fotos von provisorischen Betten am Boden von Besprechungsräumen sind viral gegangen.

Währenddessen ist Musk gleichzeitig zwischen Texas und Kalifornien herumgeflogen, hat Raketenstarts bei SpaceX gemanagt, ist in Live-Audio-Streams aufgetaucht und hat mit Weltpolitiker:innen über Plattform-Policy geredet. Seine Hände waren überall - und nirgends zugleich. Den 80-Stunden-Druck haben andere gelebt.

Da gibt’s a grundlegende Asymmetrie, die selten beim Namen genannt wird. A Milliardärsgründer mit Equity in mehreren Firmen „arbeitet“ ned 80 Stunden so wie a Engineer, der zwei Nächte hintereinander durchzieht. Seine Stunden sind Meetings, Hebel, Entscheidungen, die Milliarden bewegen. Deren Stunden sind Jira-Tickets, Code-Reviews und Linien-Fixes, die Performance um Bruchteile verbessern.

Seien wir ehrlich: Niemand macht des jeden einzelnen Tag. Musks eigenes Leben is auf extreme Flexibilität aufgebaut. Er kann eine Firma für Wochen fallen lassen, um a anderes Problem zu jagen. Mitarbeiter:innen können ned einfach auf X posten: „Bin diesen Monat heads-down bei SpaceX, Tesla kann warten.“ Das Risiko is komplett anders - aber der mythische Standard bleibt derselbe.

Wie du dir in der Hustle-Story von wem anderen den Kopf rettest

Wennst in Tech, Engineering oder einem Startup arbeitest, wirst ziemlich sicher irgendwann einer Version von „Musk-Logik“ begegnen. Eine Führungskraft zeigt auf ihn als Beweis, dass endloses Hackeln der einzige Weg zum Erfolg ist. Die Versuchung is groß, brav zu nicken und sein eigenes Leben still um die Legende von wem anderen herum umzubauen.

A einfache Methode hilft: trenn Rhetorik von Realität. Wenn wer Musks 80-Stunden-Spruch zitiert, frag: Wie schaut sein Tag wirklich aus? Wie viel von seinem Erfolg kommt heute aus sich aufschaukelndem Kapital und Netzwerk - und ned aus rohen Stunden? Sobald du die Geschichte von den Göttern runterholst und wieder auf menschliche Größe bringst, kannst du deine eigene Grenze festlegen.

Die größte Falle is Scham. Dieser leise Gedanke: „Wenn i’s ernst mein, dann müsst i’s doch aushalten, jahrelang so zu sprinten.“ Du bist ned schwach, weil du ein Wochenende willst. Du bist a Mensch. Musks öffentliche Persona is gebaut, um zu inspirieren, einzuschüchtern und manchmal auch von sehr realen operativen Problemen abzulenken. Dein Leben is keine PR-Strategie.

Wennst unter einer Führungskraft steckst, die 24/7-Arbeit anbetet, fang mit Grenzen in kleinen Dosen an: ein geschützter Abend pro Woche, eine Regel, nach Mitternacht auf Slack nimmer zu antworten, ein ehrliches Gespräch mit einer Kolleg:in darüber, wie ausgelaugt ihr beide seid. Kleine Akte von Widerstand können nachhaltiger sein als a dramatische Kündigung, für die du noch ned bereit bist.

Die nackte Wahrheit: Niemand da oben wird kommen und dir deine Work-Life-Balance retten. Du musst’s dir leise selber bauen.

Musk hat einmal gesagt: „Niemand hat jemals die Welt mit 40 Stunden pro Woche verändert.“ Klingt episch auf einer Slide-Deck. Ignoriert aber die Millionen Menschen, die still die Systeme bauen, warten und reparieren, auf die er sich verlässt - in normalen Schichten, mit Kindern zum Abholen und einem Leben zum Leben. Die Welt verändert sich durch große Wetten und kleine Routinen, ned nur durch All-Nighter am Fabriksboden.

  • Frag, wer davon profitiert, wenn 80-Stunden-Wochen zur Norm werden.
  • Track deine echte Energie, ned nur die Stunden im Kalender.
  • Merk dir, wann Inspiration in Selbstvorwurf kippt.
  • Nutz Führungskräfte als Referenzpunkt, ned als Gebot.
  • Bau dir a Arbeitspensum, dasst fünf Jahre durchhalten kannst - ned fünf Tage.

Jenseits von Musk: Welche Arbeitskultur wollen wir eigentlich?

Das Musk-Paradox zwingt uns zu einer unangenehmen Frage. Wenn einer der berühmtesten Verfechter von „irren Stunden“ ned einmal 40 Stunden pro Woche bei der Firma verbringt, von der er am meisten verlangt - was genau kopieren wir dann? Seine Leistung, oder sein Theater?

Vielleicht geht’s beim echten Wandel ned darum, Musk zu hassen oder zu verherrlichen, sondern darum, unsere Beziehung zur Arbeit erwachsener zu machen. Wir können mutiges Engineering, Raketen und waghalsige Wetten bewundern - und trotzdem die faule Abkürzung ablehnen: „Wennst ned erschöpft bist, dann is es dir ned wichtig.“ Wir können ambitioniert sein, ohne Burnout zu verehren.

Es gibt Platz für extreme Sprints, späte Nächte und dieses elektrische Gefühl, an etwas zu bauen, das zählt. Und es gibt auch Platz für die Erkenntnis, dass wie a Mensch zu leben - mit Schlaf, Beziehungen und a bissl Langeweile - dich ned weniger wirkungsvoll macht. Meist macht’s dich präziser, weniger reaktiv, und weniger wahrscheinlich, dass du a Auto ins All schießt, während dein Team drinnen leise auseinanderfällt.

Wenn das nächste Mal wer Musks 80-Stunden-Predigt zitiert, kannst a bissl die Schultern zucken und fragen: „Interessant. Wie viele Stunden arbeitet er dort eigentlich wirklich jetzt?“ Und dann entscheid, welche Geschichte dein eigener Kalender erzählen soll.

Key point Detail Value for the reader
Mythos vs. Realität Musk predigt 80–100-Stunden-Wochen, verbringt aber angeblich unter 40 Stunden bei Tesla Hilft, unrealistische Standards und versteckte Doppelbindungen zu hinterfragen
Machtasymmetrie Gründer:innen-Stunden sind gehebelt und flexibel, Mitarbeiter:innen-Stunden sind starr und riskant Gibt Sprache, um intern gegenzuhalten und Grenzen zu schützen
Persönliche Agency Rhetorik von Realität zu trennen ermöglicht gesündere Arbeitsentscheidungen Ermutigt, nachhaltige Karrieren zu designen statt Mythen zu kopieren

FAQ:

  • Arbeitet Elon Musk wirklich 80–100 Stunden pro Woche? Er hat gesagt, dass er das in den Tesla-„Production-Hell“-Jahren gemacht hat, aber aktuelle Berichte deuten darauf hin, dass seine Zeit auf mehrere Firmen verteilt ist und sein direkter Tesla-Einsatz weit unter 80 Stunden liegt.
  • Sind 80 Stunden pro Woche nötig, um erfolgreich zu sein? Nein. Viele erfolgreiche Unternehmer:innen und Profis bauen lange Karrieren auf fokussierten 40–50 Stunden auf - mit kurzen Sprints in intensiven Phasen statt dauerhaftem Overwork.
  • Warum zitieren Chefs Musk, um lange Stunden zu rechtfertigen? Weil sein Image a praktisches Symbol für extreme Hingabe ist. Es kann benutzt werden, um mehr Einsatz zu verlangen, ohne strukturelle Themen wie Staffing, Planung oder schlechtes Management anzugehen.
  • Können lange Stunden manchmal Sinn machen? Ja, für kurze, klar definierte Zeiträume: ein Launch, ein Abschluss, a Krise. Das Problem ist, wenn der Notfall-Takt zum Standard wird und’s nimmer zurück zur Normalität geht.
  • Wie kann i mich wehren, ohne meinen Job zu verlieren? Fang mit kleinen, konsequenten Grenzen an, dokumentier deinen Output, und rahm Gespräche über Nachhaltigkeit und Qualität - ned über persönlichen Komfort. Stimm dich still mit Kolleg:innen ab, damitst ned isoliert bist.

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