Der Termin hat mit guaten Vorsätzen und schlechtem Kaffee ang’fangen. Zehn Leit rund um an langen Tisch, a gemeinsames Ziel – und der eine Kollege, der einfach ned aufhören hat können, dauernd dazwischenz’fahren. Jedes Mal, wenn wer an Satz fertig bringen wollt, war seine Stimme schon drüber, wie a Welle, die a kleinere verschluckt. Am Anfang ham’s noch höflich gelacht, dann san die Blicke langsam auf Laptops, Handys oder die Tischkante g’fallen. Ma hat fast g’spürt, wie der Raum um ihn enger wird.
Er is gangen und hat glaubt, er hätt die Diskussion „geführt“.
Alle anderen san gangen und ham sich niedergewalzt g’fühlt.
Und Psycholog:innen sagen: Des hat mit Selbstsicherheit gar ned so viel z’tun.
Es geht um wos deutlich Unangenehmeres.
Wenn Unterbrechen aufhört, „Leidenschaft“ zu sein – und zur roten Flagge wird
Leit, die ständig unterbrechen, glauben oft, sie zeigen damit Begeisterung. Sie meinen, sie beschleunigen alles, liefern Mehrwert, sparen Zeit. Von innen kann sich’s sogar großzügig anfühlen: „I hilf, des Gespräch z’formen.“
Von außen kommt’s aber ganz anders an. Kommunikationsexpert:innen beschreiben chronisches Unterbrechen als subtile soziale Aggression – als a Art zu sagen: „Mei Worte san wichtiger als deine.“ Des is a harter Spiegel. Aber sobald ma drauf achtet, hört ma’s überall: in Videocalls, beim Familienessen, beim ersten Date.
Mit der Zeit frisst des leise das Vertrauen weg.
Nehmen ma Sara, 34, Projektmanagerin, stolz drauf, dass sie „a straffes Meeting“ macht. Sie war stolz drauf, dass sie niemanden „dahinschwafeln“ lässt. Ihr Team hat sie in a anonymer Umfrage aber ganz anders beschrieben: „I hör zum Reden auf, wenn sie sich nach vorn beugt, weil i weiß, sie schneidet mi gleich ab.“ „I bring nur a halbe Idee raus.“
Wie sie die Kommentare g’lesen hat, hat’s ihr in der Mittagspause im Auto die Tränen reing’trieben. Ned weil’s gemein waren, sondern weil’s stimmt hat. Sie hat ned unhöflich sein wollen. Sie hat ehrlich glaubt, sie macht alles effizient und zeigt Leadership. Dabei zeigt Forschung von der University of California: Häufiges Unterbrechen hängt stark mit schlechteren Bewertungen bei Wärme und Empathie zusammen. Die Leit hören ned „Selbstvertrauen“. Sie hören: „Du is es wurscht.“
Psycholog:innen sagen, genau diese Lücke zwischen Absicht und Wirkung is des eigentliche Problem. Chronische Unterbrecher:innen san oft keine Bösewichte; des san Leit mit rasenden Gedanken, Angst oder a tiefer Furcht, ned gehört zu werden. Aber das Gehirn auf der anderen Seite vom Gespräch weiß des ned. Es registriert nur a soziale Bedrohung. Wenn uns wer abschneidet, reagiert unser Nervensystem, als wär ma in einer Menschenmenge wegg’drängt worden: a klaner Stress-Peak, a klaner Sicherheits-Abfall. Passiert des Tag für Tag, fühlen sich Beziehungen subtil unsicher an. Genau da geht Empathie leise aus’m Raum.
Wie du den Mund kurz pausierst und die Empathie aufdrehst
Psycholog:innen, die Führungskräfte bei dem Muster coachen, fangen oft mit an klanen, seltsam körperlichen Werkzeug an: der Drei-Atemzüge-Regel. Wenn wer anderer zum Reden anfängt, nimmst du dir fix vor: drei ruhige Atemzüge, bevor du überhaupt dran denkst, reinz’grätschen. Ned aggressiv nicken. Kan halben Wörter am Lippenrand. Nur Atemzug eins, Atemzug zwoa, Atemzug drei.
Diese winzige Verzögerung zwingt dein Gehirn aus’m „Antworten“-Modus und hinein in den „Aufnehmen“-Modus. Sie gibt der anderen Person a Chance, ihren Gedanken wirklich zu landen. Du musst ka stiller Mönch werden. Du kaufst nur a bissl Platz, damit die Erfahrung von wem anderen existieren darf, bevor deine eini-druckt.
Die größte Falle, sagen Therapeut:innen, is die defensive Selbstrechtfertigung. „I unterbrich, weil i so begeistert bin.“ „Wenn i ned glei was sag, vergess i’s.“ „Die Leit san zu langsam.“ Des kann sich alles wahr anfühlen – aber es hält dich fest. Ehrlicher wär: „Mei Verhalten macht andere klein, auch wenn i’s ned so mein.“ Des tut weh zum Zugeben.
Seien ma ehrlich: Niemand macht des wirklich jeden einzelnen Tag.
Aber an den Tagen, wo’s dir gelingt, langsamer zu werden und die Leit ausreden zu lassen, merkst oft a überraschende Veränderung. Sie machen mehr auf. Sie bringen die Nuancen, die du sonst abschneidest. Gespräche fühlen sich nimmer wie a Kampf um Sprechzeit an, sondern wie Zusammenarbeit.
Die Psychologin Dr. Maya Patel hat ma wos g’sagt, des bleibt dir tagelang im Kopf:
„Chronisches Unterbrechen geht selten nur um Dominanz. Meistens is es a blinder Fleck in der emotionalen Wahrnehmung. Die gute Nachricht: Blinde Flecken kann ma ausleuchten.“
Damit du das Licht aufdrehst, empfehlen viele Therapeut:innen drei einfache Checks, bevor du redest:
- Spring i rein, weil i Angst hab, ignoriert zu werden, wenn i wart?
- Haben’s wirklich fertig g’reder, oder ham’s nur kurz Luft g’holt?
- Bring i wirklich was Neues, oder hol i nur den Scheinwerfer wieder zu mir?
Die Fragen san unangenehm.
Aber genau dort fangt Empathie an, Muskeln zu kriegen.
Was ständiges Unterbrechen wirklich über dich aussagen könnt
Wennst einmal drauf achtest, wird das Unterbrechen zu so einer Art emotionalem Röntgenbild. Es zeigt dir, wo du unruhig wirst, wo du dich bedroht fühlst, wo du heimlich glaubst, deine Sicht is die, die zählt. Vielleicht unterbrichst du nur bestimmte Leit – jüngere Kolleg:innen, deine Partnerin/deinen Partner, deine Kinder. Des is wichtig. Des kann auf Macht-Dynamiken hinweisen, die du an dir selber ned gern siehst.
Oder du unterbrichst besonders dann, wenn’s emotional wird. Gefühle machen dich kribbelig, also treibst du die Geschichte voran, räumst sie auf, packst sie in Ratschläge ein. Es schaut aus wie Helfen. Es fühlt sich an wie: eigentlich ned wirklich bei wem anderen seinem Schmerz sitzen wollen.
Psycholog:innen haben dafür a direkte Bezeichnung: konversationeller Narzissmus. Ned als Beschimpfung, sondern als Beschreibung. Die Gewohnheit, jeden Austausch wieder zu deinen G’schichten, deinen Lösungen, deinen Reaktionen zu lenken. Wennst a schüchterne Kollegin unterbrichst, um mit deiner eigenen Anekdote „anzuschließen“, glaubt dein Gehirn, es baut Verbindung auf. Ihr Nervensystem registriert aber, dass sie an den Rand g’schoben worden is. Mit der Zeit erzählen dir die Leit weniger. Ned weil’s dich ned mögen, sondern weil’s sich mit dir a bissl anfühlt wie Reden in einem Raum mit schlechter Akustik – ihre Worte kommen nimmer wirklich zu ihnen zurück.
Dieses leise Zurückziehen von anderen is oft der erste Weckruf.
Nix davon heißt, dass du a schlechter Mensch bist, wennst zu oft unterbrichst. Es kann heißen, du bist müde, unter Zeitdruck, oder so aufgwachsen, dass Übereinander-Reden normal war. Vielleicht hast früh gelernt: Der einzige Weg, im Gespräch zu existieren, is um dein Stückerl zu kämpfen. Aber wennst tiefere Beziehungen willst, kannst dort ned bleiben. Empathie is ka Persönlichkeitsmerkmal, das ma hat oder ned hat. Es is a Übung, immer wieder a einfache Frage zu beantworten: „Kann i ihre Realität zuerst ganz existieren lassen, bevor i meine einsetz?“
An den Tagen, wo dir des gelingt, spüren’s die Leit im Körper.
Sie atmen aus.
Sie bleiben.
A leisere Art von Selbstsicherheit, der die Leit wirklich vertrauen
Da steckt a komische Ironie drin. So viele unterbrechen, um selbstsicher zu wirken – dabei is die still mächtige Person in jedem Raum fast immer die, die ned den Boden greifen muss. Echte Selbstsicherheit kann a Stille aushalten. Sie kann wem anderen glänzen lassen, ohne glei a „bessere“ Sicht nachzuschieben. Sie panikt ned, wenn a Idee erst dreißig Sekunden später kommt statt sofort.
Du siehst des bei guaten Therapeut:innen, großartigen Interviewer:innen oder bei dem einen Freund/der einen Freundin, dem/der sich alle anvertrauen. Ihre Sätze haben Platz rundherum. Ihre Augen rennen ned voraus. Das Gespräch fühlt sich weniger wie a Tennismatch an und mehr wie a Lagerfeuer.
Wennst dich als chronische:n Unterbrecher:in erkennst, steckt da was Hoffnungsvolles drin: Du brauchst kan kompletten Persönlichkeitstausch. Du brauchst a Handvoll neue Mikro-Gewohnheiten: deine Idee aufschreiben statt sie rauszuplärren, no an Satz abwarten bevor du antwortest, hin und wieder sagen: „Red weiter, i hab di unterbrochen“, und es wirklich so meinen. Diese klanen Reparaturen summieren sich.
Mit der Zeit sehen die Leit immer noch deine Kompetenz, deine Ideen, deine Energie. Sie zahlen nur nimmer dafür mit dem Gefühl, ned gehört zu werden. So schaut high-empathy Selbstsicherheit im echten Leben aus.
| Key point | Detail | Value for the reader |
|---|---|---|
| Unterbrechen signalisiert wenig Empathie | Leit erleben häufiges Abschneiden als Abwertung, ned als Führung | Hilft dir zu verstehen, warum andere sich zurückziehen oder zumachen |
| Klanes Pausieren ändert alles | Tools wie die Drei-Atemzüge-Regel schaffen Raum für ganze Gedanken | Gibt dir a konkrete Methode, ruhiger zu wirken und mehr Vertrauen zu kriegen |
| Selbstsicherheit kann leise sein | Ausreden lassen und bei ihrer Geschichte bleiben zeigt innere Sicherheit | Verbessert Beziehungen, Ruf und echten Einfluss – in der Arbeit und dahoam |
FAQ:
Question 1 Wie merk i, ob i mehr als der Durchschnitt unterbrich?
Wahrscheinlich tust du’s, wenn Leit in deiner Nähe oft mitten im Satz aufhören, wenn du „wie i eh grad g’sagt hab“ häufig hörst, oder wenn Nahestehende g’scherzt haben, du „lässt nie wen ausreden“. Du kannst auch zwoa Personen, denen du vertraust, um ehrliches Feedback bitten – und dann wirklich zuhören.Question 2 Was, wenn Unterbrechen einfach Teil von meiner Kultur oder meinem Familien-Stil is?
Lebendiges Überschneiden gibt’s in vielen Kulturen, und es kann warm und verbindend wirken. Der Schlüssel is Zustimmung. Wenn wer zurückgezogen, angespannt oder regelmäßig überfahren wirkt, is des dein Signal, bei dieser Person umzuschalten – auch wenn du mit anderen anders redest.Question 3 Kann i empathisch sein und trotzdem manchmal unterbrechen?
Ja. Empathie heißt ned, stumm dazusitzen. Es heißt, die Wirkung im Blick zu haben. Ab und zu reingrätschen und dann sagen „Entschuldigung, red du weiter, i hab di unterbrochen“ und den Raum zurückgeben is was ganz anderes, als ständig drüberzufahren.Question 4 Was, wenn i meine Ideen vergess, wenn i ned sofort einhak?
Halt a klans Notizbuch oder a Notizen-App offen. Schreib ein oder zwoa Wörter auf statt sofort zu reden. Die meisten merken: Die Idee kommt wieder, und wenn ma’s dann teilt, is es sogar klarer.Question 5 Kann häufiges Unterbrechen mit Angst oder ADHS z’sammhängen?
Viele Psycholog:innen sagen: ja. Schnelles Reden, rasende Gedanken und die Angst, den Punkt zu verlieren, san bei Angst und ADHS häufig. Des entschuldigt ned, andere zu verletzen – aber es kann dir helfen, Unterstützung zu holen, Tools zu lernen und deine Schwierigkeit zu erklären, statt nur das Muster zu wiederholen.
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