Zum Inhalt springen

Starke Regenfälle könnten die Sahara verändern und das empfindliche Gleichgewicht Afrikas stören, warnt eine Studie.

Person in weißem Kittel zeichnet Routen auf Weltkarte. Pflanze und Tablet mit Wettermuster auf Tisch.

Für Jahrzehnte is die Sahara a Symbol für ununterbrochene Trockenheit gwesen. Neue Klimaprojektionen deuten jetzt drauf hin, dass des Bild schneller verblassen könnt, als Regierungen, Landwirt:innen und Stadtplaner erwarten.

Mehr Regen über der größten Wüste der Welt

A peer-reviewte Studie, 2025 im Journal npj Climate and Atmospheric Science veröffentlicht, zeigt a deutliches Ergebnis: Bis 2100 könnt der Niederschlag über großen Teilen der Sahara um rund 75 % zunehmen – verglichen mit der zweiten Hälfte vom 20. Jahrhundert.

Des Forschungsteam, gführt von Wissenschafter:innen an der University of Illinois Chicago, hat 40 globale Klimamodelle unter zwoa Emissionspfade analysiert, bekannt als SSP2‑4.5 und SSP5‑8.5. Beide beschreiben a wärmere Welt – einmal mit moderaten Minderungsmaßnahmen, einmal mit weiter hohen Emissionen. In beiden Fällen laufen die Modelle auf a feuchtere Sahara und a insgesamt feuchtere Atmosphäre über großen Teilen Afrikas zamm.

Statt an durchgehend austrocknenden Kontinent zeigen die Projektionen an Kontinent, wo Wasser Ort, Zeitpunkt und Intensität wechselt – und damit neue Gewinner und Verlierer schafft.

Die Studie verknüpft den Trend mit grundlegender Physik: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit halten. Wenn die Treibhausgaskonzentrationen steigen, nimmt die Atmosphäre über Afrika zusätzliches Wasser aus dem Atlantik und dem Indischen Ozean auf. Diese Feuchtigkeit verstärkt dann die Konvektion – die vertikalen Luftbewegungen, die Gewitter antreiben – und sorgt für kräftigere Starkniederschläge.

A afrikanische Niederschlagskarte wird neu gzeichnet

Die Veränderungen hören ned an der Wüstengrenz auf. Die Modelle zeigen a Flickenteppich an Verschiebungen übern Kontinent.

  • Sahara und Sahel: deutlicher Niederschlagsanstieg, mit häufiger intensiven Stürmen/Gewittern.
  • Zentral- und südliches Afrika: 17–25 % mehr Regen bis zum Ende vom Jahrhundert.
  • Südwestliches Afrika: leicht, aber anhaltend trockener, mit Niederschlagsverlusten bis rund 5 % in manchen Regionen.

Dieses ungleichmäßige Muster entsteht durch Verschiebungen in den großen atmosphärischen „Motoren“, die den afrikanischen Monsun steuern. Die Studie hebt die Rolle der Hadley-Zellen hervor – riesige Kreisläufe aus aufsteigender und absinkender Luft, die tropische Regenbänder prägen. Mit der Erwärmung dehnt sich dieses System aus und wandert polwärts. Über Afrika scheint die Drift nach Norden das Hauptregenband näher ins Herz der Sahara zu ziehen.

A kleine Verschiebung vom tropischen Regenband kann über Millionen Quadratkilometer den Unterschied machen zwischen nacktem Sand, Buschland und saisonalem Grasland.

Gleichzeitig verändern Änderungen der Meeresoberflächentemperaturen im Atlantik und im Indischen Ozean die „Zufuhrkorridore“ für Feuchtigkeit. Stärkere, wärmere Winde vom Ozean können zusätzlichen Wasserdampf tief ins Landesinnere pumpen und konvektive Gewitter weit im Inland speisen.

A „grüne Sahara“ – Versprechen oder Falle?

Die Aussicht auf a grünere Sahara regt oft die Fantasie an. Geologische Archive zeigen, dass vor etwa 6.000–10.000 Jahren – während der Afrikanischen Feuchtperiode – Seen, Savannen und sogar menschliche Siedlungen dort existiert haben, wo heut nackte Wüste is. Die neue Studie deutet auf a teilweises Echo dieser Zeit hin – allerdings verursacht durch menschengemachte Erwärmung statt durch natürliche Orbitalzyklen.

Laut den Modellen würden mehr als 70 % der zusätzlichen Feuchtigkeit über der Sahara als konvektiver Regen fallen: kurze, heftige Platzregen, verknüpft mit Gewittern – ned lange, sanfte Regenfälle, die den Boden langsam durchfeuchten.

Des Detail is entscheidend. Wüstenböden – oft verdichtet und arm an organischer Substanz – nehmen plötzliche Wassermassen schlecht auf. Spärliche Vegetation bietet wenig Schutz. Das Wasser rinnt eher oberflächlich ab, statt einzusickern.

Mehr Regen heißt ned automatisch mehr nutzbares Wasser; auf degradiertem oder barem Land kann’s mehr Sturzfluten, Erosion und Verlust von Oberboden bedeuten.

Forschende warnen, dass mehr Niederschlag neue saisonale Flüsse einschneiden, fragile Krusten zerstören kann, die Dünen stabilisieren, und die dünnen Streifen fruchtbaren Lands an den Wüstenrändern abtragen kann. Flache Grundwasserleiter könnten in manchen Oasen nachgefüllt werden, während nahe tiefliegende Zonen mit zerstörerischen Überschwemmungen rechnen müssen.

Die Vegetation würd ungleich reagieren. Gräser und Sträucher könnten in heutige Dünenfelder vordringen, wo Feuchtigkeit über Teile vom Jahr bleibt – und temporäre savannenartige „Inseln“ bilden. Gleichzeitig beschleunigen höhere Temperaturen die Verdunstung, verkürzen die Wachstumszeit und stressen neue Pflanzen. Ohne sorgfältiges Landmanagement könnt die Landschaft zwischen kurzen grünen Phasen und härteren Trockenperioden hin- und herschwanken – mit Belastungen für Wildtiere und pastorale Gemeinschaften.

Monsun-Timing und Ernährungssicherheit unter Druck

Für viele Afrikaner:innen liegt die eigentliche Störung ned nur darin, wie viel Regen fällt, sondern wann er fällt. Kleinbäuerliche Betriebe von Senegal bis Äthiopien sind auf das Eintreffen vom Monsun in einem engen Zeitfenster angewiesen. A Verzögerung von zwoa bis drei Wochen kann Erträge von regenabhängigen Getreiden wie Hirse, Sorghum und Mais zunichtemachen.

Klimamodelle zeigen a steigendes Risiko für Verschiebungen beim Beginn und Rückzug vom west- und ostafrikanischen Monsun. Manche Regionen könnten a kürzere, aber intensivere Regenzeit sehen, zusammengedrängt in heftige Stürme. Das erschwert Pflanzentscheidungen, erhöht das Risiko für Pflanzenkrankheiten und steigert die Wahrscheinlichkeit, dass im selben Jahr sowohl Dürre- als auch Flutschäden auftreten.

Viehhalter:innen im Sahel bewegen sich heut schon entlang lang etablierter Weiderouten, die saisonalen Weiden folgen. Unberechenbarerer Regen kann diese Routen durcheinanderbringen und den Wettbewerb um Wasserstellen und Weideland verschärfen. Grenzübergreifende Migration könnte zunehmen, womit das Konfliktpotenzial dort steigt, wo Staaten schwache Institutionen haben.

Urbane Verwundbarkeit von Lagos bis Khartum

Afrikas schnell wachsende Städte liegen ebenfalls am Weg dieser Veränderungen. Viele haben keine robusten Entwässerungssysteme, keine flutsichere Bebauung oder verlässliche Frühwarnservices. A Zukunft mit stärkeren Platzregen über größere Flächen bedeutet, dass tiefliegende Stadtteile in Städten wie Dakar, Niamey und Khartum öfter überflutet werden könnten.

Regenwasser kann informelle Abflussgräben überfordern, flache Brunnen verunreinigen und Stromnetze lahmlegen. Wenn Starkregen auf nackte oder schlecht bewirtschaftete Einzugsgebiete stromauf trifft, kommen Hochwasserspitzen schneller und zerstörerischer in den urbanen Zentren an.

Region Hauptprognose Zentrale Risiken
Sahara Bis zu 75 % mehr Niederschlag, überwiegend als Stürme Sturzfluten, Erosion, instabile Landnutzung
Sahel Feuchteres Klima, stärkere Variabilität Ernteausfälle, Weidekonflikte, Wasser-Schocks
Zentral- & südliches Afrika 17–25 % mehr Niederschlag Flutrisiko, Infrastrukturstress, Krankheitsausbrüche
Südwestliches Afrika Allmähliche Austrocknung Wasserknappheit, Druck auf Wasserkraft und Landwirtschaft

Anpassung an a Afrika, das zwischen Extremen schwankt

Die Forschenden hinter der Studie argumentieren, dass afrikanische Regierungen und internationale Partner gleichzeitig auf mehreren Ebenen handeln müssen. Mehr Regen in gewissen Zonen eröffnet Chancen, verlangt aber auch schnelle Anpassung.

Von Hochwassermanagement zu klimafitter Landwirtschaft

Erstens muss Hochwassermanagement von reiner Krisenreaktion zu langfristiger Planung werden. Des heißt: hochwassergefährdete Becken kartieren, Feuchtgebiete als natürliche „Schwämme“ erhalten oder wiederherstellen und keine neue Bebauung in Hochrisikokorridoren zulassen. Einfache Pegelüberwachung und community-basierte Alarmsysteme können die Zahl der Todesopfer bei plötzlichen Stürmen drastisch senken.

Zweitens müssen landwirtschaftliche Systeme mit volatilem Niederschlag umgehen können statt mit an stabilen Klima der Vergangenheit. Klimasmart Agriculture im afrikanischen Kontext umfasst oft:

  • Sorten, die sowohl kurze Trockenphasen als auch Starkregen aushalten.
  • Bodenschutzmaßnahmen wie Konturbunde und Agroforst, um Oberflächenabfluss zu bremsen.
  • Kleinmaßstäbige Wasserspeicherung, von Dachzisternen bis Mikro-Dämmen, um Flutwasser für trockene Wochen zu nutzen.

Diese Maßnahmen gewinnen auch in einer feuchteren Sahara an Wert. Wo neue saisonale Gerinne entstehen, stehen Bäuer:innen und Pastoralist:innen vor Entscheidungen: sesshaft werden und anbauen, in Brunnen und kleine Speicher investieren – oder mobile Lebensweisen beibehalten, um Ausfälle an einem Ort ausweichen zu können.

Aufforstung und das Risiko von fehlgeleitetem Optimismus

Die Rede von einer grüneren Sahara kann den Eindruck erwecken, dass der Klimawandel für Afrika auch a „gute Seite“ hat. Forschende warnen vor so am Optimismus. Baumpflanz- und Aufforstungsprojekte – schon im Wachsen unter Initiativen wie der Great Green Wall – müssen berücksichtigen, wo zusätzlicher Regen tatsächlich fällt und in welcher Form.

Wasserhungrige Baumarten in Gebieten zu pflanzen, die nur kurze, heftige Gewitter abkriegen, kann nach hinten losgehen und Wasserstress in längeren Trockenintervallen verschärfen. Sinnvoller sind Strategien mit heimischen Sträuchern und Gräsern, die den Boden stabilisieren, Feuchtigkeit einfangen und Futter liefern, ohne das Grundwasser auszupressen.

Höherer Niederschlag kann außerdem Krankheitsmuster verschieben. Feuchtere Bedingungen begünstigen Gelsen und andere Überträger und könnten Malaria und Dengue in Regionen ausweiten, die heut am trockenen Rand liegen. Gesundheitssysteme und Überwachung müssen diese Verschiebungen eng verfolgen und Impf- sowie Präventionskampagnen anpassen.

Was Klimasimulationen noch schwer erfassen

Obwohl das Modell-Ensemble bei einer feuchteren Sahara übereinstimmt, bleiben Details unscharf. Simulationen unterscheiden sich bei der genauen Lage künftiger Regenbänder, bei der Häufigkeit extremer Stürme und beim Timing vom Monsunbeginn. Lokale Geografie – von Gebirgen und Hochebenen bis zu Landnutzungsänderungen – kann Niederschlag verstärken oder dämpfen, auf Arten, die globale Modelle oft übersehen.

Diese Unsicherheit hebt das Signal ned auf; sie spricht vielmehr für flexible Politik. Wasserspeicher können zum Beispiel so ausgelegt werden, dass sie a Bandbreite möglicher Zuflüsse verkraften. Pflanzenzüchtung kann Sorten priorisieren, die über unterschiedliche Niederschlagsmuster hinweg halbwegs gut funktionieren, statt alles auf eine einzelne Prognose zu optimieren.

Für die Wissenschaft bietet die sich verändernde Sahara auch a natürliches Labor. Der Vergleich kommender Satellitenbeobachtungen mit Modellprojektionen wird helfen, wie Klimamodelle Konvektion, Staub, Bodenfeuchte und Vegetations-Rückkopplungen in Trockengebieten abbilden. A bessere Darstellung dieser Prozesse wird globale Projektionen schärfen – ned nur für Afrika, sondern auch für andere semi-aride Regionen, die vor eigenen Niederschlagsumwälzungen stehen.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen