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Unis geben stillschweigend schlechtere Noten an Studierende, die Gruppenarbeiten ablehnen.

Mehrere Personen arbeiten an einem Tisch, Dokumente und Laptop sind sichtbar.

An einem verregneten Dienstag im November hat a Politikwissenschaftsstudentin an ana renommierten Uni ihr Notenblatt aufgmacht – mit der üblichen Mischung aus Angst und Hoffnung. Ihre Einzelprüfungen waren locker a Einser. Ihre Essays, voll mit penibel gesetzten Quellen, hatten sogar Lob von am Professor kriegt, der sonst fast nie wen lobt.

Aber ganz unten auf der Seite: die Endnote im Kurs war a B–.

Sie hat g’scrollt. Die Begründung war nur a Zeile: „Teilnahme an kooperativen Lernaktivitäten: unzureichend.“ Sie war ned dem Unterricht fernbliebn. Sie hat ka Deadline versäumt. Ihr einziges „Verbrechen“ war, dass sie sich g’weigert hat, bei am benoteten Gruppenprojekt mitzumachen – nach zwei Semestern, in denen sie de facto für alle anderen die Arbeit mitg’macht hat.

Wie sie per E‑Mail g’fragt hat, warum Einzelarbeit ka Option sein kann, is die Antwort kühl und schnell zruckkommen:

„Des is a teamwork-orientierter Kurs.“

Wenn „Teamwork“ still und leise zur Notenwaffe wird

Gehst über an modernen Campus, hörst aus den Klassenzimmern immer die gleichen Schlagwörter: „Soft Skills“, „team-basiertes Lernen“, „kollaboratives Mindset“. Unis sagen gern, sie bereiten Studierende auf „die echte Welt“ vor.

Hinter dem Slogan läuft aber a leise Druckmaschine.

Studierende, die bei Gruppenprojekten zögern, lernen rasch, dass des an Preis hat. Lehrende hängen 20 %, 30 %, manchmal 40 % von der Endnote an Gruppenarbeit – und lassen dann kaum Spielraum, sich auszuklinken. Offiziell geht’s ums Kooperieren-Lernen. Inoffiziell, sagen Studierende, gilt a zweite Regel genauso klar: Wer die Gruppe verweigert, nimmt die schlechtere Note in Kauf.

Manche nennen’s Didaktik. Andere nennen’s – unter vier Augen – Strafe.

Fragt man herum, hört man die gleiche G’schicht mit unterschiedlichen Akzenten. A Informatikstudent in Manchester, a Psychologie-Studentin in Toronto, a BWL-Student in Singapur. Alle erzählen fast ident: die „Gruppenprojekt-Steuer“, die still und leise am GPA schnitzt.

A Maschinenbau-Student hat mir sein Bewertungsraster g’zeigt. Dreißig Prozent der Note war als „Teambeitrag“ ausgewiesen. Ka individuelle Alternative, ka Zusatzaufgabe allein, ka flexibler Weg. Er hat zwei Jahre lang Gruppenprojekte gmacht und is fast immer automatisch der inoffizielle Projektmanager, Programmierer, Folienbauer und Notfall-Lektor um zwei in der Früh g’wesen.

In dem Semester, wo er endlich zum Professor gesagt hat: „I will nur nach meiner eigenen Leistung bewertet werden“, is seine Projektnote von A‑Bereich auf a C+ g’fallen. Er hat keine einzige technische Anforderung verfehlt. Das einzige Kästchen, das offen blieb, war „positive Beteiligung am Gruppenprozess“.

In Fakultätssitzungen klingt die Logik am Papier sauber. Arbeitgeber sagen, sie wollen Teamfähigkeit. Akkreditierungsstellen sehen gern „kollaborative Outcomes“. Also scheint die Lösung einfach: Noten eng an Gruppenbeteiligung koppeln.

Aber Noten sind Macht. Sobald „Gruppenbeteiligung“ zum Türsteher fürs Bestehen wird, is die Macht nimma neutral. Sie stupst Studierende erst an – und schiebt sie dann in a einziges Schema. Neurodivergente Studierende, Pendler*innen, Studierende mit zwei Jobs, Menschen mit Mobbing-Erfahrungen – alle spüren den Druck.

Und ehrlich: Viele Lehrende wissen eh, dass Gruppenprojekte unpopulär und oft unfair verteilt sind – und behalten’s trotzdem, weil’s a Abkürzung is, um mehrere Lernziele auf einmal abzuhaken. Die stille Botschaft kommt bei Studierenden klar an: Du kannst allein brilliant sein – aber Bestnoten kriegst ned, wennst das Gruppenritual verweigerst.

Wie Studierende zurückschieben, ohne dass die Note abstürzt

Einige fangen an, des Minenfeld strategischer zu navigieren. Statt am ersten Tag pauschal Gruppenarbeit zu verweigern, verhandeln sie die Bedingungen. Ein Trick, der in Studierendenforen immer wieder auftaucht: früh – und schriftlich – um a schriftliche Aufschlüsselung bitten, wie individuelle Beiträge innerhalb vom Gruppenprojekt bewertet werden.

Der kleine Schritt ändert den Ton.

Sobald a Professor aufschreiben muss, wie er zwischen der Person unterscheidet, die das Projekt getragen hat, und der, die g’ghostet hat, wird die „Alles-oder-nichts“-Bewertung oft weicher. Dann gibt’s vielleicht a separate individuelle Reflexionsnote, a Solo-Teil (technisches Deliverable) oder zumindest Peer-Assessment, das die belohnt, die die Hackn g’macht haben.

Des is ka Revolution. Eher Selbstverteidigung.

Natürlich fühlen sich die meisten ned danach, mit der Person zu verhandeln, die das Zeugnis kontrolliert. Wenn in Woche eins im Syllabus steht, dass 40 % vom Kurs gruppenbasiert sind, is der Reflex: durchschlucken und akzeptieren. Vor allem bei First-Generation-Studierenden, die eh schon das Gefühl haben, auf dünnem Eis zu sein.

Der stille Fehler, den viele machen: Sie warten bis zum Krisenmoment – der Trittbrettfahrer im Team, der chaotische Zeitplan, die unfaire Aufgabenverteilung – und explodieren dann in Woche zwölf. Da is aber schon alles eingefroren: Deadlines, Bewertungsregeln, sogar die Gruppendynamik.

Realistischer is, das Gruppenprojekt wie an riskanten Vertrag zu behandeln: Rollen, Timelines und Erwartungen von Anfang an in einem geteilten Dokument festhalten. Des behebt die strukturelle Unfairness ned. Aber es gibt dir schriftliche Belege, falls du später um a teilweise individuelle Bewertung ansuchen musst. So eine langweilige Erwachsenen-Maßnahme, für die sich Studierende nie bereit fühlen – bis zu dem Tag, wo sie’s bereuen, es ned gmacht zu haben.

Irgendwann geht’s nimmer nur um ein nerviges Projekt, sondern um was Größeres. Studierende fragen sich, warum ein einziges Modell vom „guten Studierenden“ – extrovertiert, immer verfügbar, immer gruppentauglich – so konsequent belohnt wird.

„Wir reden ohne Ende über Inklusion“, hat mir a Senior im Public-Health-Studium g’sagt, „aber das System bestraft still alle, die ned können oder ned wollen, auf Kommando perfektes Teamwork zu performen. Wenn i nachts arbeit, oder i bin autistisch, oder i hab wirklich schlechte Gruppenerfahrungen, sinkt meine Note. Ned weil meine Arbeit schlechter is, sondern weil mein ‚Fit‘ schlechter is.“

  • Nach parallelen Solo-Bestandteilen fragen – z. B. ein individueller Essay, a Reflexion oder a technisches Deliverable zum gleichen Thema.
  • Eigenen Beitrag dokumentieren
  • Höfliche, schriftliche Anfragen verwenden
  • Früh Disability Services / Behindertenbeauftragte einbinden – manchmal können die offiziell Bewertungsanpassungen empfehlen.
  • Mit früheren Studierenden reden
  • Die eigene „Walk-away“-Grenze kennen – der Punkt, wo die mentale Belastung höher is als der Buchstabe am Transcript.

Welche Art Absolvent*in bauen Unis eigentlich?

Wennst dieses Muster einmal siehst, kannst es schwer wieder nimmer sehen. Die Person, die Gruppenarbeit aus guten Gründen hinterfragt – Burnout, Angst, die lange Vorgeschichte, immer Teams tragen zu müssen – wird still als „schwierig“ markiert. Wer mitspielt, auch wenn’s innerlich brodelt, wird still belohnt.

Das prägt mehr als Noten. Es prägt, wer später im Job aufsteht und was sagt, wer sich berechtigt fühlt, Grenzen zu setzen, wer sich traut zu sagen: „Diese Struktur funktioniert für mi ned.“ Wenn Unis Noten an erzwungene Zusammenarbeit binden und kaum Ausstiegsmöglichkeiten lassen, trainieren sie ned nur Teamwork. Sie trainieren Gehorsam.

Wir kennen alle den Moment, wo ma merkt: Dem System is wichtiger, wie gut du ins Template passt, als wie gut deine Arbeit wirklich is.

Einige Lehrende probieren Hybrid-Modelle: optionale Solo-Tracks, flexible Gewichtungen, anonyme Peer-Evaluierungen, die wirklich zählen. Diese G’schichten kursieren dann halblaut – wie der Beweis, dass es anders auch geht.

Die Frage, die unangenehm und hartnäckig bleibt, is simpel: Sind Unis bereit zuzugeben, dass a Studentin oder a Student brillant, ethisch und gut beschäftigungsfähig sein kann – auch wenn sie oder er sich weigert, jemals wieder nach der Leistung von wem anderen benotet zu werden?

Key point Detail Value for the reader
Versteckte Strafen Gruppenbeteiligung zieht Noten still runter bei Studierenden, die Gruppenprojekte meiden Hilft zu erkennen, wann auf „Compliance“ statt auf Fähigkeit benotet wird
Verhandlungs-Taktiken Schriftliche Bewertungskriterien, individuelle Bestandteile und Rollendoku früh anfordern Gibt praktische Wege, Noten zu schützen – ohne offene Konfrontation
Alternative Modelle Hybrid-Systeme mit optionalen Solo-Tracks und echter Peer-Bewertung gibt’s Macht Hoffnung und liefert Argumente für Gespräche mit Lehrenden

FAQ:

  • Frage 1: Darf a Professor meine Note rechtlich senken, wenn i a Gruppenprojekt verweigere?
    Antwort 1: Die meisten Unis erlauben Lehrenden, Prüfungs- und Bewertungsformate festzulegen, inklusive verpflichtender Gruppenarbeit – solange das im Syllabus klar steht und konsequent angewandt wird. Graubereiche gibt’s, wenn Behinderung, psychische Gesundheit oder ernsthafte persönliche Gründe eine Rolle spielen. Dann kann man oft über offizielle Stellen um Nachteilsausgleich oder alternative Leistungsnachweise ansuchen.

  • Frage 2: Was, wenn i die ganze Arbeit mach und meine Teamkolleginnen fast nix beitragen?
    *
    Antwort 2:** Alles dokumentieren: geteilte Dokumente mit Versions-/Edit-Historie, E‑Mails, Nachrichten, wer was gemacht hat. Das früh zur Lehrperson bringen – ned erst in der Nacht vor der Abgabe. Frag nach, ob Peer-Assessment oder angepasste individuelle Noten auf Basis der Nachweise möglich sind.

  • Frage 3: Wie können introvertierte oder neurodivergente Studierende mit verpflichtender Gruppenarbeit umgehen?
    Antwort 3: Manche gehen über Disability- oder Counseling-Services und beantragen modifizierte Teilnahme, ruhigere Rollen oder teilweise Solo-Alternativen. Andere wählen Rollen, die mehr auf individueller Produktion beruhen (Recherche, Lektorat, technischer Build) und nutzen – wo möglich – schriftliche statt mündliche Kommunikation.

  • Frage 4: Is es je „wert“, Gruppenprojekte zu verweigern, wenn der GPA leidet?
    Antwort 4: Für manche: ja. Studierende mit starker Angst, Trauma-Vorgeschichte oder extremen Arbeitszeiten entscheiden manchmal, dass mentale Gesundheit wichtiger is als die perfekte Note. Die Entscheidung is persönlich – aber sie wird weniger zerstörerisch, wenn man sie mit ehrlichen Gesprächen mit Studienberatung oder Support-Services kombiniert.

  • Frage 5: Was soll i sagen, wenn i um a Alternative zu am Gruppenprojekt bitte?
    Antwort 5: Bleib konkret und ruhig. Erklär kurz deine Situation, schlag a klare Solo-Alternative vor, die an die gleichen Lernziele gekoppelt is, und frag nach dem besten Weg, die Kursanforderungen zu erfüllen. Ein Kompromiss is wahrscheinlicher, wenn klar is: Dein Problem is das Format – ned die Arbeit.

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