In tausenden blitzsauberen Küchen wandert eine teure High-Tech-Küchenmaschine leise vom Ehrenplatz hinüber zu Second-Hand-Inseraten.
Für manche Besitzer:innen startet der Thermomix als Traum-Gadget: schick, vernetzt, fast magisch. Ein paar Monate später fühlt er sich eher wie eine finanzielle Last an – oder wie ein lauter, überkomplizierter Mixer. Auf Wiederverkaufsplattformen und in Social-Media-Gruppen trennen sich immer mehr Leute von einer Maschine, für die sie früher angestanden sind oder extra gespart haben.
Der Glanz ist nach den ersten Suppen weg
Am Papier wirkt der Thermomix unwiderstehlich. Er zerkleinert, dämpft, knetet, emulgiert und kocht – oft in nur einem Behälter. Für frischgebackene Eltern oder gestresste Berufstätige ist das Versprechen stark: schnellere Mahlzeiten, weniger Töpfe, weniger Lieferessen.
In der Realität kann sich das anders anfühlen, sobald der Neuheitsfaktor der geführten Rezepte nachlässt und der Preis jedes Mal schmerzt, wenn man den Kastl aufmacht.
Hinter vielen Verkaufsanzeigen steckt ein einfaches Gefühl: Die Maschine passt nicht zu den alltäglichen Bedürfnissen oder Gewohnheiten ihrer Besitzer:innen.
In Erfahrungsberichten und Foren tauchen einige Beschwerden immer wieder auf.
Preisschock, der nicht verschwindet
Der erste und offensichtlichste Grund sind die Kosten. In Europa liegt ein neuer Thermomix meist bei rund 1.400 €, mit ähnlich hoher Premium-Bepreisung auch in UK und den USA über Vertriebspartner. Das ist mehr als viele Backöfen kosten – und deutlich über vergleichbaren Multikochern.
Beim Kauf rechtfertigen viele die Investition, indem sie sich weniger Restaurantbesuche, weniger Lebensmittelverschwendung und eine tägliche, fast „industrielle“ Nutzung vorstellen. Dann kommt der Alltag:
- die Maschine wird ein paar Mal pro Woche genutzt, nicht täglich
- die meisten Haushalte verwenden trotzdem weiterhin Herd, Backrohr und ein paar Töpfe
- Einsparungen bei Take-away sind schwer nachzuweisen oder treten einfach nicht ein
Manche finanzieren den Kauf über 12 oder 24 Monate. Wenn dann die monatlichen Raten für ein Gerät eintrudeln, das nur mehr gelegentlich eine Suppe oder Kuchenteig macht, wird Verkaufen zur rationalen Möglichkeit, Verluste zu begrenzen.
Die Zusatzrechnung: Cookidoo und Zubehör
Zum Anschaffungspreis kommt eine weniger sichtbare Position dazu: das Cookidoo-Abo, Vorwerks Rezeptplattform. Rund 60 € pro Jahr klingt für sich genommen nicht dramatisch, aber bei einem Premium-Gerät fühlt es sich wie eine zusätzliche Maut auf einer ohnehin teuren Autobahn an.
Viele haben erwartet, dass der Zugriff auf eine umfangreiche Rezeptbibliothek im Kauf enthalten ist – und nicht als laufendes Abo.
Dazu kommen Ersatzteile und Zusatztools: Dichtungsringe, die mit der Zeit nachlassen, Messer, die beschädigt werden, eine zweite Schüssel fürs Batch Cooking oder Zubehör-Aufsätze. Jedes Teil für sich ist nicht riesig teuer, aber die laufenden Kosten fürs „Thermomix-richtig-Besitzen“ können still und leise steigen.
Leistung: wenn die Magie nicht ganz passiert
Ein weiterer Grund fürs Weiterverkaufen ist schlicht Enttäuschung darüber, wie das Gerät manche Klassiker hinbekommt.
Eintöpfe, Fleisch und die Grenzen von „alles in einer Schüssel“
Thermomix-Fans loben Suppen, Saucen und Germteige. Bei langsam geschmorten Fleischgerichten kommt aber oft Frust auf. Sanfte, lange Schmorgerichte wie Boeuf Bourguignon oder Beef Chili leben von Textur und Röstaromen – und die lassen sich in einer glatten Edelstahlschüssel nur schwer nachbilden.
Statt zart zerfallender Stücke berichten manche von faserigem oder übergartem Fleisch und einem Geschmack, dem die Tiefe eines schweren, klassischen Schmortopfs am Herd fehlt. Das Gerät ist einfach nicht dafür gebaut, in jeder Situation einen gusseisernen Topf zu ersetzen.
Wenn eine Maschine um 1.200 £ nicht besser abliefert als ein 40‑£‑Schmortopf beim liebsten Sonntagsrezept, bröckelt die Loyalität.
Lärm, Größe und die Realität kleiner Küchen
Abseits vom Kochergebnis kann der Thermomix im Alltag störend sein. Er ist schwer und blockiert einiges an Arbeitsfläche. In kleinen Stadtwohnungen ist diese Fläche Gold wert. Ihn im Schrank zu lagern klingt logisch – bis man merkt, dass das ständige Herausheben mühsam ist.
Auch die Lautstärke überrascht viele neue Besitzer:innen, besonders beim Mixen oder Zerkleinern auf hoher Stufe. Nebenbei reden, ein Baby beruhigen oder telefonieren, während er gefrorene Früchte pulverisiert, wird schwierig. Für Haushalte, die ruhigere Küchen gewohnt sind, ist dieses mechanische Dröhnen mehr als nur eine Kleinigkeit.
Wenn ein Gerät laut, sperrig und nur selten in Verwendung ist, fühlt es sich weniger nach „Must-have“ an und mehr nach Krempel.
Technikmüdigkeit und der nächste Modellwechsel
Der Thermomix ist nicht nur ein Kocher, sondern ein vernetztes Produkt: Software-Updates, WLAN und dauernde Gerüchte über neue Generationen wie den erwarteten TM7. Dieser Tech-Aspekt erzeugt eigenen Druck.
Angst, einen „alten“ Küchenroboter zu besitzen
Gerede über ein neues Modell ist oft ein starker Auslöser für den Verkauf. Besitzer:innen des aktuellen TM6 sehen zum Beispiel, dass der Wert ihrer Maschine stark fällt, sobald eine neue Version offiziell angekündigt wird.
Manche verkaufen daher früh, solange die Second-Hand-Preise noch attraktiv sind, und warten dann ab oder legen Geld für die nächste Generation zur Seite. Die Logik ist ähnlich wie bei Smartphone-Upgrades: das alte Gerät abstoßen, bevor es als veraltet gilt.
| Genannter Grund | Auswirkung auf die Verkaufsentscheidung |
|---|---|
| Neues Modell in Aussicht (TM7-Gerüchte) | Jetzt verkaufen, um den Wert zu maximieren und das Upgrade zu finanzieren |
| Software-Updates und Technikmüdigkeit | Manche sind von ständigen Änderungen und Features genervt |
| Angst vor Veralten | Druck, „alte Technik“ loszuwerden, solange die Nachfrage hoch ist |
Für andere ist schon die Vernetzung an sich mühsam. Sie wollten kein Smart-Gerät in der Küche, sondern einen starken Motor und scharfe Messer. Neue Features über Updates zu lernen oder gelegentliche Bugs zu erleben, bringt zusätzliche Reibung in den Kochalltag.
Komplexität versus Alltagsgewohnheiten
Marketing stellt den Thermomix oft als Wunderding für gestresste Familien dar: Programm einstellen, Zutaten rein, weggehen, fertig ist das Essen. In der Praxis ist es weniger „vollautomatisch“.
Lernkurve und mentale Belastung
Geführte Rezepte helfen, verlangen aber trotzdem: Zutaten genau abwiegen, Schritte in der richtigen Reihenfolge machen, Seitenwände abstreifen, Werkzeuge wechseln und die Schüssel zwischen Etappen reinigen. Für jemanden, der Kochen ohnehin stressig findet, kann die Maschine eine neue mentale Belastung bringen: dem Bildschirm folgen, die Zwiebeln nicht anbrennen lassen, Mengen nicht falsch lesen.
Manche Käufer:innen dachten, dass ihre alten Töpfe und Küchenhelfer überflüssig werden. Stattdessen verwenden sie am Ende beides. Ein Topf Pasta am Herd, Gemüse im Dampfaufsatz, eine Sauce in der Thermomix-Schüssel: Das Versprechen „ein Gerät für alles“ kollidiert mit Multitasking auf engem Raum.
Wenn ein Gerät, das das Leben vereinfachen soll, zusätzliche Schritte bringt, wächst die Frustration schnell – besonders bei dem Preis.
Vom Helden-Gadget zum teuren Staubfänger
Es gibt auch eine Gewohnheits-Komponente. Viele starten mit einer intensiven Phase: täglich ausprobieren, Brot, Risotto, Sorbets. Nach ein paar Wochen bleibt man bei drei oder vier Lieblingsrezepten hängen. Ab da könnten ein günstiger Mixer, eine einfache Küchenmaschine und ein Kochtopf Ähnliches leisten.
Wenn die Begeisterung abflacht, rutscht der Thermomix still in den „für besondere Anlässe“-Status. Eine Maschine, die man nur alle zwei Wochen nutzt, ist finanziell schwer zu rechtfertigen. Ein Inserat zu schalten wirkt dann wie eine Möglichkeit, Geld und Arbeitsfläche zurückzuholen.
Konkurrenz durch günstigere, einfachere Alternativen
Der Thermomix dominiert den Multikocher-Markt nicht mehr unangefochten. Marken wie Moulinex, Kenwood, Magimix und verschiedene Handelsmarken bieten inzwischen Kochroboter um die Hälfte oder ein Drittel des Preises an.
Für einen spürbaren Teil der Nutzer:innen sind diese Alternativen „gut genug“. Sie schaffen Basisaufgaben wie Zerkleinern, Dämpfen und Kneten – auch wenn Smart-Funktionen oder ein besonders poliertes Interface fehlen. Beim Online-Vergleich merken manche Thermomix-Besitzer:innen, dass sie durch einen Verkauf und Umstieg mehrere hundert Pfund freispielen könnten.
Andere gehen zurück zu einem Hybrid-Setup: eine kräftige manuelle Küchenmaschine, ein separater Mixer und ein einfacher Slow Cooker. So ein modulares Set kann günstiger sein, leichter zu reparieren und verteilt die Abhängigkeit auf mehrere Marken statt auf ein einziges Ökosystem.
Was der Wiederverkauf über Erwartungen und Lebensstil sagt
Die Welle an Thermomix-Verkäufen zeigt auch einen größeren Trend: wie Leute heute über Küchentechnik und große Anschaffungen denken.
Technikversprechen versus echtes Kochen
Für manche Haushalte passt die Maschine perfekt: Menschen, die gern vorkochen (Batch Cooking), die strenge Ernährungspläne verfolgen, oder Familien, in denen eine Person gern mit Gadgets und Rezepten spielt. Dort „zahlt“ sich das Gerät aus – oft mehrmals pro Woche.
Für andere ist Kochen intuitiver und weniger abgemessen. Da kommt von dem ein Handerl, von dem ein Schuss, dann kosten, nachwürzen – und Rezepte werden selten Schritt für Schritt befolgt. Ein Bildschirm, der auf 327 Gramm Erdäpfel besteht, fühlt sich dann weniger nach Hilfe an und mehr nach Einmischung.
Dazu kommt ein kultureller Aspekt: Wer damit aufgewachsen ist, dass jemand Saucen rührt, einem Topf „zuhört“ und Gargrad nach Geruch und Gefühl beurteilt, tut sich nicht immer leicht damit, die Kontrolle an einen Roboter abzugeben.
Situationen, in denen Verkaufen Sinn ergibt
In Verkaufsanzeigen und Erfahrungsberichten tauchen typische Szenarien auf:
- ein Paar, das während Lockdowns viel gekocht hat und nach der Rückkehr ins Pendeln das Gerät kaum mehr nutzt
- frischgebackene Eltern, die merken, dass Lärm und Putzen rund ums Baby mehr Aufwand sind als gedacht
- Leute, die in eine kleinere Wohnung gezogen sind und schlicht keinen Platz oder keine stabile Arbeitsplatte für das schwere Gerät haben
- Besitzer:innen mit engerem Budget, die einen fast neuen Thermomix als leicht zu verflüssigenden Vermögenswert sehen
In jedem Fall geht es weniger darum, das Produkt zu „hassen“, sondern Werkzeuge an einen veränderten Lebensstil anzupassen.
Praktische Aspekte: Wiederverkaufswert, Risiken und Alternativen
Am Gebrauchtmarkt halten Thermomix-Geräte ihren Wert oft recht gut – solange sie relativ neu, sauber und mit Originalzubehör sind. Das fördert den Weiterverkauf: Besitzer:innen können potenziell einen großen Teil der Investition zurückholen, besonders wenn sie vor dem Erscheinen eines neuen Modells verkaufen.
Timing ist entscheidend: Je näher ein Wiederverkauf an einem Modell-Launch liegt, desto stärker kann der Preis für ältere Geräte fallen.
Für potenzielle Käufer:innen haben Gebrauchtgeräte die üblichen Risiken: abgenutzte Messer, müde Waagen, versteckte Defekte oder keine offizielle Garantie. Seriennummer prüfen, Kaufnachweis verlangen und Basisfunktionen vor dem Bezahlen testen sind sinnvolle Vorsichtsmaßnahmen.
Wer schwankt zwischen Behalten und Verkaufen, kann eine einfache Rechnung machen: Aufschreiben, wie oft man den Thermomix im letzten Monat genutzt hat, und dann den Anschaffungspreis durch diese Nutzungen teilen. Wenn das effektiv mehrere Pfund pro Einsatz sind und man trotzdem unsicher ist, hilft diese Zahl oft dabei, entweder konsequent wieder mehr damit zu kochen – oder ihn ohne schlechtes Gewissen gehen zu lassen.
Am Ende ist ein Thermomix-Verkauf nicht zwingend ein Zeichen von Scheitern. Oft ist es ein Zeichen dafür, dass man klarer versteht, was für ein Kochtyp man wirklich ist. Manche entdecken die Freude an einem scharfen Messer und einem schweren Topf neu. Andere steigen auf einen simpleren, günstigeren Multikocher um. Und ein paar, die den TM7-Gerüchten immer lauter zuhören, packen ihren TM6 gerade wieder in die Originalschachtel – bereit für die nächste Küche.
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