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Wie nennt man den Laut, den ein Igel macht?

Igel auf Moos neben Mikrophon, Kopfhörern und Futter in einem Garten mit Blumen im Hintergrund, Sonnenuntergang.

Die Nacht bricht herein, der Garten wird still … und dann zerreisst eine seltsame Mischung aus Schnaufen, Quieken und Zischen die Ruhe.

Die meisten glauben, Igel würden völlig lautlos herumstreifen. Dabei verfügen die stacheligen Insektenfresser über ein überraschend reiches Repertoire an Lauten. Von Grunzen über schrille Pfiffe bis hin zu Zähneklicken verraten ihre Geräusche viel mehr über ihr Leben, als man erwarten würde.

Igel: ruhige Nachbarn, aber nicht stumm

Igel haben den Ruf, scheue, fast lautlose Gartenbesucher zu sein. Sie sind vor allem nachts unterwegs – da hilft es, unauffällig zu bleiben, um Fressfeinden wie Füchsen, Dachsen und Hunden auszuweichen.

Diskretion hilft ihnen auch bei der Jagd: Käfer, Raupen, Regenwürmer und andere kleine Wirbellose. Laute „Unterhaltung“ würd die Pirsch verderben und grössere Tiere auf sie aufmerksam machen.

Trotzdem ist „still“ irreführend. Igel geben Laute von sich – nur leise und meist nur auf kurze Distanz.

Igel teilen mit uns den nächtlichen Soundtrack, aber die meisten ihrer Laute sind zu leise, zu kurz oder zu hoch für ungeübte menschliche Ohren.

Am ehesten hört man sie in ruhigen, feuchten Nächten, wenn sich Schall besser trägt – oder in der Paarungszeit, wenn die Stimmung angespannter ist.

Wie heisst der Ruf eines Igels eigentlich?

Anders als bei Kühen, Pferden oder Katzen gibt’s für den Igel in vielen Sprachen kein einziges fixes „offizielles“ Wort für seinen Laut – kein Pendant zu „muh“, „wiehern“ oder „miau“.

Stattdessen beschreiben Biolog*innen die Laute nach ihrem Typ:

  • Grunzen
  • Zischen oder Pfeifen
  • Wimmern und Quieken
  • Zähneklicken
  • rhythmisches Trillern oder „Schnattern“

Es gibt keinen eigenen Fachbegriff für den „Igelruf“; man spricht je nach Situation schlicht von Grunzen, Zischen, Wimmern oder Klicken.

Diese Lautäusserungen wirken zusammen mit Geruchssignalen und Körpersprache. Duftdrüsen helfen beim Markieren von Wegen und Revieren, während aufgestellte Stacheln und starre Körperhaltung aus nächster Nähe klare Warnungen senden.

Die wichtigsten Igellaute – und was sie bedeuten

Grunzen: das klassische Warnsignal

Grunzen gehört zu den Igellauten, die Menschen am leichtesten hören. Es ist tief, kehlig und rau – ein bissl wie ein kleines Schweinderl, das nicht auffallen will.

Igel grunzen vor allem, wenn sie sich bedroht fühlen. Sie schnaufen dann hörbar, spannen die Muskeln an und stellen die Stacheln auf – dieser bekannte „grantige Pompon“-Look.

Wenn ein Igel grunzt und schnaubt, während die Stacheln aufgestellt sind, sagt er: „Stopp – näher kummst nimmer.“

Diese akustische Warnung kann Konflikte schon in der Drohphase beenden – und erspart beiden Tieren direkten Körperkontakt und mögliche Verletzungen.

Zischen und Pfeifen: soziale Spannungen und Romantik

Zischen oder ein hohes Pfeifen hört man oft, wenn Igel einander begegnen. Kreuzen sich zwei Männchen, können sie einander umrunden und wiederholt zischen – sie testen die Entschlossenheit des anderen, ohne gleich zu raufen.

In der Paarungszeit wird’s deutlich lauter. Männchen laufen oft stundenlang um ein Weibchen herum und machen scharfe, insistierende Laute, die sich in einer stillen Nacht quer durch den Garten tragen können. So finden sich die Tiere im Dunkeln und können Absichten „abklopfen“.

Wimmern und Stress-/Schmerzenslaute

Weichere, klagende Laute deuten auf Schmerz, Angst oder starken Stress hin. Sie klingen wie winzige Schluchzer oder fiepende Jammerlaute.

Solche Rufe kommen etwa von einem verletzten Igel, einem Tier, das von einem Hund in die Enge getrieben wird, in einem Netz hängt oder grob angefasst wurde. In Wildtierstationen hört man sie oft bei der Versorgung von Wunden oder anderen medizinischen Problemen.

Wiederholtes, klagendes Quieken bedeutet bei Igeln meist Stress oder Not – nicht gemütliches „Plaudern“. Ein genauer Blick ist dann oft sinnvoll.

Zähneklicken: wenn’s ernst wird

Einer der weniger bekannten Igellaute ist eigentlich gar kein „Stimm“-Laut. Wenn ein Igel mit den Zähnen klickt, entstehen kurze, trockene Schnapper, die überraschend scharf klingen können.

Das signalisiert hohe Aggression oder einen unmittelbar bevorstehenden Angriff. Oft tritt es zusammen mit tiefem Grunzen und ruckartigen Bewegungen in Richtung der vermeintlichen Bedrohung auf. Bei Igelstreitigkeiten kann Zähneklicken der letzte Schritt vor Rempeln oder Beissen sein.

Trillern und „Schnattern“: soziale Hintergrundgeräusche

Forschende haben mit empfindlichen Mikrofonen komplexere Lautkombinationen gefunden, die an Triller oder „Schnattern“ erinnern. Sie bestehen aus kurzen Grunzern, knappen Tönen und rhythmischen Sequenzen.

Sie treten bei enger sozialer Interaktion auf, besonders zwischen Jungigeln, und könnten helfen, Nähe zu halten oder Anspannung zu reduzieren, wenn mehrere Tiere sich Lebensräume überlappen.

Wozu Igellaute gut sind

Überleben: Abwehr und Abschreckung

Grunzen, Zischen und Zähneklicken bilden ein abgestuftes Abwehrsystem. Ein Igel kann mit milden Warnungen beginnen und eskalieren, wenn die Gefahr bleibt.

Laut Typische Bedeutung
Tiefe Grunzer Erste Warnung: „Kumm net näher“
Zischen / Pfeifen Hohe Anspannung, Versuch Rivalen oder Räuber abzuschrecken
Zähneklicken Ernsthafte Drohung, möglicher Beginn körperlicher Abwehr

Diese Strategie spart Energie. Sich zu einer festen Kugel einzurollen und Angriffe auszuhalten kostet viel. Lautes Imponieren kann Fressfeinde dazu bringen, sich zweimal zu überlegen, ob sie die Stacheln wirklich testen wollen.

Partner finden und Grenzen abstecken

In der Fortpflanzungszeit helfen Laute dabei, Männchen und Weibchen in Hecken, hohem Gras und Komposthaufen zu orten. Pfiffe und gemusterte Rufe tragen gerade weit genug, um einen potenziellen Partner zu erreichen, ohne den Standort an jedes Raubtier „hinauszuposaunen“.

Rufe zwischen Männchen helfen auch, Raum zu organisieren. An Intensität und Dauer der Laute kann ein Igel einschätzen, ob er eine direkte Auseinandersetzung meidet und lieber seine Route ändert.

Familien zusammenhalten

Jungigel brauchen Laute, um mit der Mutter in Kontakt zu bleiben. Sie geben hohe, unterbrochene Rufe aus dem Nest von sich, wenn sie hungrig oder kalt sind.

Diese Signale sorgen dafür, dass das Weibchen zum richtigen Platz zurückkommt und die passende Versorgung (Putzen und Säugen) dem richtigen Jungtier zugutekommt. Im engen, versteckten Nest tragen Laute auch dann, wenn ein Baby kurz unter Geschwistern und Nistmaterial verschwindet.

Wie ein Igel seine Laute erzeugt

Wie andere kleine Säugetiere nutzen Igel Kehlkopf und Stimmbänder, um Luft in Schall zu verwandeln. Durch Änderungen von Luftdruck und Spannung der „Stimmstrukturen“ wechseln sie von tiefem Grunzen zu höheren Pfeif- und Quieklauten.

Manche Geräusche – etwa das Zähneklicken – sind mechanisch. Das Tier schnappt schnell mit dem Kiefer zu, sodass die Zähne gegeneinanderschlagen und ein harter, trockener Knack entsteht. Dafür braucht’s keine Stimmbänder.

Die meisten Igellaute sind leise – abgestimmt auf Kommunikation in der Nacht aus kurzer Distanz, nicht auf Schreiduelle über weite Strecken.

Das passt zu ihrem Lebensstil: genug, dass nahe Igel es hören – nicht genug, um ihren Standort über ein ganzes Feld voller hungriger Feinde zu verraten.

Was Wissenschafter aus Igel-Audio gelernt haben

In den letzten Jahrzehnten haben Forschende in Europa in Gärten, Wäldern und an Feldrändern empfindliche Audiorekorder und Infrarotkameras aufgestellt. Diese Geräte laufen die ganze Nacht und fangen Geräusche ein, die Menschen meist überhören.

Im Labor zerlegen Spezialist*innen die Rufe mit Software in Grundmerkmale: Frequenz, Dauer, Rhythmus und Modulation. So lassen sich Lauttypen einteilen und mit konkreten Verhaltensweisen verknüpfen, die auf Video zu sehen sind.

Studien zeigen, dass mehrere Faktoren die Lautäusserungen beeinflussen:

  • Alter – Jungtiere nutzen höhere, schärfere Laute
  • Geschlecht – Männchen sind in der Paarungszeit tendenziell „redseliger“
  • Stresslevel – stärkere, härtere Laute treten bei Bedrohung auf
  • städtisch vs. ländlich – Hintergrundlärm kann verschieben, wann und wie oft sie rufen

Diese Daten helfen zunehmend dem Naturschutz. Wenn man kartiert, wann und wo Igel rufen, lassen sich wichtige Lebensräume, gefährliche Strassenquerungen und Phasen intensiven Stresses (z. B. bei Baustellen in Siedlungsnähe) besser erkennen.

Igel im eigenen Garten hören

Mit einem Smartphone oder einem einfachen Aufnahmegerät kann man an warmen, ruhigen Nächten gezielt hinhören. Wenn man sich ohne Licht in die Nähe eines Komposthaufens oder dichter Sträucher setzt, hört man oft leises Schnaufen und Schnauben, das sonst untergeht.

Wenn man langes, lautes Quieken hört – und gleichzeitig ein Hund bellt oder ein Rasenmäher läuft –, kann das auf ein Tier in Not hindeuten. Dann lohnt es sich, die Umgebung nach einem eingeklemmten Igel, verheddert in einem Netz oder feststeckend in einem Loch abzusuchen – das kann tatsächlich einen Unterschied machen.

Wer Igel unterstützen will, kann auch daran denken, wie sich Schall im Garten ausbreitet. Dichte, vielfältige Vegetation und ungestörte Ecken bieten nicht nur Deckung und Insekten, sondern schaffen auch akustische „Korridore“, in denen Igellaute gerade weit genug zum Nachbarn tragen – und nicht viel weiter.

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